Wenn sich alles um die Plastikverpackung dreht

Ob draussen im Park, nach dem Zmittag im Coworking Space oder nach dem Einkaufen - Verpackungen sind allgegenwärtig und vor allem eins: sichtbar. Das macht es einfach, sie stellvertretend für den masslosen Umgang mit unseren Ressourcen zu nennen und bietet den idealen Nährboden, um uns in den sozialen Netzwerken gegenseitig im Plastikverzicht zu übertrumpfen. Aber kann es sein, dass wir dadurch den Blick aufs Ganze verlieren?

Wie sehr fällt die Verpackung ins Gewicht?

Grafik: Aufteilung der Umweltbelastungen der Ernährung in der Schweiz. Quelle: N. Jungbluth, ESU-services, 2016. Grafik: Tiefgrün.

Verpackungen werden oftmals in Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt thematisiert und stehen deshalb in der Kritik. Wenn wir aber unseren Nahrungsmittelkonsum insgesamt etwas genauer unter die Lupe nehmen, zeigt sich ein differenzierteres Bild:  Ein Drittel der Umweltbelastungen, verursacht durch unseren Konsum, geht auf das Konto der Ernährung*.

 

Der grösste Anteil (42 Prozent) ist auf den Verzehr tierischer Produkte zurückzuführen. Die Verpackung spielt im Vergleich dazu eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil liegt lediglich bei rund 1 %. Auch der Transport von Produkten schenkt insgesamt nicht besonders ein, mit Ausnahme von Flugtransporten.

 

Es wäre also viel wirksamer zu überdenken, was wir essen, wieviel wir essen und wie etwas produziert wurde.


Trotzdem ist es wichtig, über Verpackungen zu sprechen, weil wir tagtäglich mit dem Thema konfrontiert sind.  Ausserdem ist es für uns KonsumentInnen oft schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es lohnt sich daher, etwas genauer hinzuschauen.


Welche Verpackung ist die beste?

Fakt ist, jede Art von Verpackung hat Auswirkungen auf die Umwelt, denn sie muss ja schliesslich produziert und entsorgt werden.
Man hört oft, keine Verpackung sei die beste Verpackung. Dabei geht leider etwas vergessen: Eine wichtige Funktion der Verpackung ist der Schutz des Inhalts. Wenn also mit Hilfe einer geeigneten Verpackung die Haltbarkeit eines Lebensmittels verlängert und beispielsweise Foodwaste vorgebeut wird, dann ist das ein sehr entscheidender Faktor. Dies trifft auch zu, wenn die Produkte in Plastik verpackt sind!

Plastik ist praktisch, aber welche Verpackung ist am umweltfreundlichsten? Diese Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten. Anhaltspunkte dazu liefert die Studie „Ökobilanz Getränkeverpackungen“**. Darin ist zu lesen, dass leichte oder mehrmals verwendbare Verpackungen solchen, die schwer sind und nur einmal zum Einsatz kommen, tendenziell vorzuziehen sind. Getränkekartons und PE-Behälter (z.B. Milchflaschen) schneiden deshalb relativ gut ab, aber auch Mehrweg-Glasflaschen können mithalten. Einweg-Glasflaschen bilden aufgrund ihres Gewichts und des energieintensiven Recyclingprozesses das Schlusslicht.

 

Was Biokunststoffe betrifft, sind diese nur eine echte Alternative, wenn sie aus landwirtschaftlichen Rest- und Nebenprodukten hergestellt werden. Ansonsten ist die Ökobilanz nicht besser als diejenige von herkömmlichen Kunststoffen***.

 

Neue Wege geht die Schweizer Firma Fluidsolids, welche sogenannte Biokomposite auf Basis von diversen Abfällen von Haselnussschalen, Karton, Holzfasern, Kaffeesatz etc. entwickelt.

Leichte Verpackungen wie Getränkekartons sind Einweg-Glasflaschen vorzuziehen.

Foto: Martina Wyrsch


Und was ist mit Mikroplastik?

Plastikverpackungen haben ein schlechtes Image, weil sie oft  für die Entstehung von Mikroplastik verantwortlich gemacht werden. Aber auch hier lohnt es sich tiefer in die Materie einzutauchen. Eine Untersuchung des Fraunhofer Instituts hat die Herkunft von Mikroplastik untersucht****. Fazit: Der grösste Anteil stammt aus dem Abrieb von Autoreifen. Nun ist es aber weitaus unbequemer, das Auto stehen zu lassen, als Plastikverpackungen ins Visier zu nehmen.

Plastikverpackung kann sinnvoll sein

Eine Verpackung dient dem Schutz des Inhalts und sollte dabei gleichzeitig die geringstmöglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Um die Frische und Haltbarkeit von beispielsweise Nüssen und Mangos zu garantieren und somit Foodwaste zu vermeiden, kann es deshalb durchaus sinvoll sein, diese in Plastik zu verschweissen. Auch hier ist die entscheidende Frage, die wir uns stellen müssen: Wieviele exotische Nahrungsmittel brauchen wir, damit wir gesund bleiben, wie wurden diese produziert und was steht sonst noch auf unserem Menuplan?

Foto: gebana


Das können wir tun

Wir müssen es akzeptieren: Unser Konsum hinterlässt Spuren. Indem wir weniger und bewusster konsumieren und nichts verschwenden können wir jedoch alle unseren Beitrag leisten. Wir müssen uns deshalb nicht gleich alle vegan ernähren – es würde bereits enorm viel bewirken, wenn wir halb so viel Fleisch essen würden.

Foto: Martina Wyrsch

Der „soziale Fussabdruck“ von Produkten – also die Auswirkungen unseres Konsums auf ArbeitnehmerInnen und Gemeinschaften in fernen Ländern – ist ebenso wichtig. Letztendlich geht es darum, sich der grösseren Zusammenhänge bewusst zu werden. Das bedeutet, dass wir uns darin üben müsssen, den Dingen auf den Grund zu gehen, auch wenn das bedeutet, dass wir uns vom Schwarz-Weiss-Denken verabschieden müssen. Gleichzeitig müssen wir unseren Einfluss als KonsumentInnen geltend machen und uns für eine gesunde Ernährung einsetzen, die umweltverträglich und sozial gerecht ist.

 

Und genau aus diesem Grund gönnen wir uns als 4-köpfige Familie einmal pro Jahr 13 Kilogramm fair und biologisch produzierter Orangen aus Griechenland, geliefert von gebana.

 

Die Lieferung kommt in einer grossen Kartonverpackung daher und darf wiederum noch ein paar weitere Funktionen auf ihrem Lebensweg erfüllen: Zum Beispiel als Transportbehälter für unseren Flohmarktstand oder als Plakatbasis für den Klimastreik.


Dieser Text ist eine überarbeitete Version eines Blogbeitrages, welcher im Mai 2019 im Auftrag von gebana erschien. Hier geht es zum Originaltext.

Quellenangaben

* Umweltschonende Ernährung aus Sicht der Konsumenten, Niels Jungbluth (2016). Vortrag bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 24. Oktober 2016, Zürich.
** Ökobilanz Getränkeverpackungen, Carbotech, 2014.
*** Mehr Bioplastik führt nicht zwingend zu mehr Klimaschutz, Pressemitteilung Universität Bonn, 2018.
**** Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik, Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik, 2018.

Tiefgrün GmbH
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