Wieso «einfach machen» auch nachhaltig sein kann

Vor einem Jahr habe ich meinen Online-Workshop "Nachhaltige Eventorganisation" lanciert. Das heisst: Geplant war er natürlich nicht online, sondern physisch. Wie so viele andere konnte ich die Situation annehmen und was Neues dazulernen, oder es bleibenlassen. Ich hab mich für die erste Variante entschieden.

 

Der Entscheid, auf dieses Format zu setzen, war nicht rational. Vielmehr liess ich mich von meinem Bauchgefühl leiten, dass dieses Thema für eine breite Zielgruppe spannend sein könnte - was sich schlussendlich als richtig herausstellte. Jetzt, ein Jahr später, bin ich selber überrascht, wie ich in so kurzer Zeit auf die richtigen Leute treffen konnte, um mich nun gemeinsam mit engagierten Menschen aus der Kultur- und Veranstaltungsbranche für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen.

Von der Theorie in die Praxis

Nachhaltige Veranstaltungen interessieren mich nicht erst seit dem letztem Jahr. Ich habe bereits vor 11 Jahren im Rahmen von Gemeindekursen der Stiftung Pusch einen Kurs zu diesem Thema organisiert, der zu dieser Zeit stark auf Sportevents ausgerichtet war. Meine Aufgabe war es, Referent*innen zu dem Thema zu suchen, die Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen von verschiedenen Seiten beleuchten sollten.

 

In den letzten 6 Jahren wurde ich dann ehrenamtlich als Konzertveranstalterin aktiv und als Organisatorin verschiedener kleinerer und mittlerer Events. Für mich war klar, dass diese mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Umwelt über die Bühne gehen mussten.

 

Also begann ich, mein Wissen zu erneuern und nochmals so richtig ins Thema einzutauchen. Als meine Wissensdatenbank eine gewisse Grösse erreichte, fand ich, dass es nun an der Zeit sei, diese Sammlung von Fachwissen, praktischen Hilfsmitteln und Best Practice-Beispielen auch anderen zur Verfügung zu stellen. Und so entstand der Workshop «Nachhaltige Eventorganisation».

Was ist in der Zwischenzeit passiert?


Ich habe den Workshop bis jetzt 5x durchgeführt und es waren insgesamt rund 40 Teilnehmer*innen dabei. Keine grosse Anzahl, könnte man meinen. Aber in diesen Workshops habe ich jedesmal aufs Neue spannende Leute kennengelernt und habe selber jedes einzelne Mal wieder etwas dazugelernt.

 

Das Tolle daran war die bunte Mischung von Menschen aus unterschiedlichen Branchen mit jeweils ganz anderen Backgrounds: Eventmanagerinnen, Marketingspezialisten, Openair-Veranstalterinnen, Coworking Space-Betreiber, Kunstschaffende, Leute aus der Stadtverwaltung, aus der Gastroszene und aus dem Bereich Soziokultur.

Bild: Online-Workshop in gemütlicher Atmosphäre im Coworking Space Tadah.


Und genau diese Diversität innerhalb der Teilnehmer*innen fand ich jedesmal sehr bereichernd und inspirierend. Es hat mir gezeigt, wie wertvoll es ist, sich mit Menschen aus anderen Arbeitsbereichen und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen auszutauschen und Gemeinsamkeiten zu finden, wo man sie bisher nicht vermutet hätte. Ich bin tief davon überzeugt, dass wir genau davon grundsätzlich zuwenig bekommen, wenn wir uns nur in unserer Bubble bewegen.

Vert le Futur...

Vert le Futur - Verband für nachhaltige Kultur

A propos Best Practice: Ein wichtiger Bestandteil meines Workshops – und auch sonst in meiner Arbeitsweise – bilden die «guten Beispiele». Auf der Suche nach coolen Ansätzen in der Praxis entstanden wertvolle persönliche Kontakte. Und so kam es auch, dass ich mitbekam, wie engagierte Kulturschaffende begannen, sich über Nachhaltigkeit auszutauschen und sich zu organisieren, um das Thema voranzutreiben.

 

Der Verband Vert le Futur, der sich für eine nachhaltige Kultur- und Veranstaltungsbranche einsetzt, hätte im Rahmen des m4music-Festivals 2020 lanciert werden sollen. Der Kick-off fiel allerdings aus bekannten Gründen ins Wasser.

 

Es wurde allerdings nicht sehr lange Trübsal geblasen. Schon bald trafen sich eine handvoll engagierter Menschen – zu denen ich mich ebenfalls dazuzählen durfte – regelmässig auf Zoom. Wir spinnten weiter an der Idee, Nachhaltigkeit in der Kultur- und Veranstaltungsszene aufs Tapet zu bringen und gründeten im Sommer definitiv den Verband Vert le Futur.


Jetzt erst recht!

Ein Jahr später findet nun der offizielle Kick-off des Verbands am m4music statt. Das Festival setzt selbstbewusst auf digital und schon das zeigt, wieviel die Branche innerhalb so kurzer Zeit und unter erschwerten Bedingungen dazugelernt hat.

 

Es gibt Stimmen, die behaupten, Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz seien durch die Pandemie in den Hintergrund geraten. Dass dies nicht der Fall ist, zeigt ein Blick auf das Programm von m4music. In Zusammenarbeit mit Vert le Futur widmen die Veranstalter dem Thema klimafreundliche Musikkultur einen ganzen Vormittag. Kulturschaffende, Künstler*innen und Nachhaltigkeitsexpert*innen tauschen sich am Panel darüber aus, welche Ansätze für einen nachhaltigen Kulturbetrieb existieren und welche Möglichkeiten es gibt, den Arbeitsalltag im Bereich der Kultur nachhaltig auszurichten.

 

Live-Talk mit Vert le Futur am diesjährigen m4music


Bauchgefühl schlägt Verstand

Man kann es nennen wie man will: «Einfach machen» oder (weibliche) Intuition. Hätte ich rational gehandelt und erst abgecheckt, ob es eine Zielgruppe für meinen Workshop gibt, wäre dieser wahrscheinlich nicht, oder erst viel später zustande gekommen. Umso dankbarer bin ich, dass ich in diesem Fall auf mein Bauchgefühl gehört habe und einfach losgelegt habe. Denn ich freu mich enorm, Teil von Vert le Futur zu sein und habe vor, dort noch sehr viel zu be-wirken.

Sie möchten Ihre nächste Veranstaltung auf nachhaltige Beine stellen?


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